# 21 Wenn Erinnerungen verschwinden

Vorweg ganz spontan ein paar Worte: Eigentlich war es nicht so geplant, aber genau heute jährt sich der Todestag meines Opas und für heute hatte ich diesen Blogpost unbewusst geplant.

Lieber Opa, ich hoffe, es geht Dir gut da oben und Du passt weiterhin gut auf uns auf. Ich hoffe, Du bist auch ein bisschen stolz auf uns ;-)

 

 

 

Seit meiner Kindheit komme ich hierher - an den, für mich, schönsten Ort der Welt. Nachts hörst Du eigentlich nichts ausser ein paar Waldtiere. Keine Autobahngeräusche, keine Bahn - einfach nichts und wenn es im Sommer morgens beginnt hell zu werden, hörst Du tausende Vögel laut zwitschern. Hier scheint die Welt noch in Ordnung, Fuchs und Hase sagen sich Gute Nacht. Früher haben mich Oma und Opa immer mit hier her genommen - ins Häuschen - mehr war es auch nicht. Ein besseres Gartenhäuschen etwa 20 qm mit zwei Zimmerchen, einem kleinen Flur und Minibad. Aber es war äusserst gemütlich und nur das zählte. Gutes Wetter war immer sehr wichtig, denn im Garten und auf der Terrasse hielten wir uns tagsüber am meisten auf. Während Opa, meist im Hemd und dunkelblauer Jogginghose Zeitung las oder mit seinem Möppchen unterwegs zum Angeln war, spielte ich mit Oma, im buntem Haushaltskittel bekleidet, Brettspiele oder sie machte Kreuzworträtsel und trank Wasser aus einem ausgespültem durchsichtigem Puddingbecher, während ich Kettchen, Armbändchen und Ohrringe aus Bügelperlen fertigte, dabei Aldi-Trinkpäckchen (die kleinen eckigen weißen mit der aufgeschnittenen Orange drauf) trank und damit einfach zufrieden war. An den Sonntagen kündigten sich meistens Omas und Opas Freunde an und es wurde gegrillt oder es gab Reibekuchen. 

Die Jahre vergingen, ich wurde älter, mein Opa starb 2000 und meine Oma fuhr immer seltener ins Häuschen. Was sollte sie auch alleine dort? Als ich dann mit meinem Mann ein halbes Jahr zusammen war, beschlossen wir 2003 zusammen Urlaub im Häuschen zu machen. Alles war so nostalgisch wie beim letzten Mal als ich dort war. Es gefiel uns so gut, dass wir beschlossen öfter dort hin zu fahren und wir bekamen das Okay ein paar "inneneinrichtliche"  Veränderungen vorzunehmen. 

Wir machten zahlreiche Wanderungen, erst zu zweit, dann mit Lena und irgendwann 2014 auch mit unseren 2 Kindern. Hier war alles so einfach. Sämtliche Kinder- und Babysachen blieben zu Hause und wirklich nur das Nötigste wurde mitgenommen und es machte mich irgendwie immer glücklich zu sehen, dass man mit ganz wenig ganz wunderbar auskommen kann. 

Aber irgendwann war es dann doch für 4 Personen und einem kleinen Hund zu eng und es gab nur zwei Möglichkeiten: Wir fahren nicht mehr zum schönsten Ort der Welt oder wir bauen etwas neues. Zugegeben hatten wir erst geplant, die Terrasse auszubauen, weil ich damals schon ein Problem damit hatte, das Häuschen abzureißen, aber damit wäre uns langfristig auch nicht geholfen gewesen. 

Lange Rede kurzer Sinn, irgendwann wurde das Häuschen dann mit viel Hilfe von Freunden abgerissen - ich war nie dabei, erst als nur noch ein kleines Betonfundament übrig war, kam ich hier her und habe beim Anblick Rotz und Wasser geheult. Es war, als hätte man mir alle Erinnerungen genommen und klar - ich hatte sämtliche Gegenstände von innen in Umzugskartons gepackt, die mir immer noch genug Erinnerungen bescheren, aber wenn ein ganzes Häuschen plötzlich weg ist, ist das schon emotional etwas anderes. 

Mittlerweile sitze ich hier im neuen Haus und blogge diese Zeilen. Gekonnt haben wir Erinnerungsstücke mit neuen Einrichtungsgegenständen vereint. Die Baumscheiben an der Wand, sind von dem riesen Baum, der einst im Garten stand, das alte Radio von 1962 steht auf zwei Obstkisten und auch Uropas Geweih hängt im Gästezimmer überm Bett. Wenn ich durch die große Fensterfront in den noch nicht ganz fertigen Garten schaue, sehe ich die Pflaumenbäume und den Flieder, die noch immer an alter Stelle stehen und so wird mir bewusst - das kleine Häuschen mag vielleicht weg sein, aber die Erinnerungen nimmt mir niemand.

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Kommentare: 2
  • #1

    Karin (Montag, 16 April 2018 17:43)

    Jetzt kann ich es lesen... Ich könnte mit heulen... Das Haus meiner Oma in der Nähe von ruppichterroth fehlt mir so sehr.... Es ist jetzt so anders seit wir es verkauft haben... 18 Jahre ist es her und doch fehlt es so sehr... Fühl dich umarmt

  • #2

    Sandrinchen (Dienstag, 17 April 2018 08:42)

    Hallo Karin, vielen lieben Dank für Deinen mitfühlenden Kommentar.