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Ultrawandern auf dem Kölnpfad

Meine unvergessliche Reise auf dem Jakobsweg war vorbei und ich fragte mich nach der 36 Kilometer Etappe von Ponte de Lima bis Tui immer wieder

"Wo ist eigentlich meine Grenze?"

Eine 35 Kilometer Wanderung hatte ich danach in der Heimat bereits gerockt und wäre danach immer noch in der Lage gewesen weiter zu laufen. 

Einige Wochen später stieß mich dann eine Freundin bei Facebook auf das Event Ultrawandern auf dem Kölnpfad und meinte, ob wir das schaffen würden und erst war ich skeptisch, aber der Gedanke ließ mich nicht los und so meldete ich mich ein paar Tage später an zu meinem ersten offiziellen sportlichen Event.


Wenngleich ich vor meiner Reise auf dem Jakobsweg überhaupt nicht aufgeregt war, so war ich es jetzt total. Ich besorgte mir noch einen kleineren Trailrucksack meiner (mittlerweile) Lieblingsmarke, diverses anderes Zubehör und hatte meinen Rucksack tatsächlich einige Tage vor Start fertig gepackt. 


Am Abend zuvor ging ich zeitig schlafen, da ich früh raus musste und ausserdem würde es ein langer, harter und heißer Tag werden; es waren 34 Grad gemeldet!

Um halb 6 war ich also mit dem Auto unterwegs nach Köln-Höhenhaus. Vor Aufregung hatte ich kaum mein gut belegtes Körnerbrot runter gekriegt, aber frühstücken musste nun mal sein.  Mit meinem Isodrink machte ich mich auf den Weg vom Auto zur Startnummervergabe. Von der total netten Frau dort freundlich empfangen, war plötzlich auch die Aufregung und Unsicherheit verschwunden. Nun blieb mir noch etwas Zeit, mein Ultrawandern 2019 T-Shirt, meine Startnummer, einen Köln-Glückskeks und ein Creme-Pröbchen zu verstauen und auf den Bustransfer zu warten, der uns später über eine halbe Stunde quer durch Köln fuhr und in Nähe Eifeltor absetzte. 

Um 8 Uhr fiel dann der Startschuss und alles marschierte los. Es waren viele Grüppchen, aber auch Menschen, wie ich, allein unterwegs.

Auf dem ersten Kilometer lernte ich Max kennen, ein echtes Kampfschwein, wie sich nicht nur im Gespräch bezüglich seines Jakobsweges heraus stellte, sondern er hat *Spoiler* die 100 Kilometer auch durchgezogen. Leider bekam ich nach den ersten

12 Kilometern extreme Beinkrämpfe, die ich sonst noch nie zuvor hatte. Ich bin dann zum nächsten Versorgungspunkt in Porz geeiert, habe dort erst mal geruht und mich gestärkt. Die Cola war meine Rettung und der Schmerz ließ zum Glück gänzlich nach. Nun konnte ich weiter laufen - allein, denn Max war schon wieder auf dem Weg. An der Groov vorbei durch asphaltierte Feldwege wurde es gegen Mittag richtig heiß. Die Hitze von mittlerweile 34 Grad ballerte nicht nur von der Sonne herunter, sondern stieg auch vom Asphalt hoch und brachte die Luft zum Schneiden. Kurz vor der von allen gefürchteten Todeszone, gelangte ich zum nächsten Versorgungspunkt. Auch dort wurde ich von freundlichen Helfern mit Getränken und Snacks sowie einer kalten Dusche versorgt. Im nachhinein war ich sehr froh, dass ich mich komplett unter diese Dusche gestellt hatte, denn der ca. 6 Kilometer lange Weg durch die Todeszone, die nur durchs Feld ging und es verdammt heiß war, hatte ihren Namen durchaus verdient. Schließlich war ich in Wahn angekommen und bekam, wie vorher telefoniert von einem "Fan" ;-) eine kalte Flasche Cola gebracht. Nach weiteren 5 Kilometern hatte ich um ca. 18 Uhr (nach 10 Stunden) die 50 Kilometer geknackt. Die letzten Kilometer war ich zuvor mit 3 anderen Ultrawanderern unterwegs gewesen, die sich aber nun verabschiedeten und ich allein weiter musste. Schließlich war ich im Königsforst und wurde von zahlreichen Mücken zerstochen. Plötzlich rutschte ich in ein kleines Gefühlstief, hörte Musik und verlief mich auch noch ganz kurz. Bei Dämmerung war ich wieder auf dem richtigen Weg. Ich hängte mich an andere Wanderer, die aber deutlich langsamer waren und zog doch allein weiter. Die Dunkelheit machte mir wirklich zu schaffen. Ich hatte eine Lampe, musste aber immer wieder auf mein Handy schauen, um zu sehen, ob ich noch auf dem richtigen Weg war. Dann mussten meine Augen immer wieder neu fokussieren. Das war wirklich anstrengend, denn bis auf zwei Blasen, hatte ich kein nennenswert körperliches Problem. Schließlich war ich um 23 Uhr in Bensberg angekommen und hatte 66 Kilometer gerockt. Ich aß, trank und versorgte meine Blasen um mich bereit zu machen für die nächste Etappe, bis sich plötzlich mein imaginärer Quatschkopf auf meiner rechten Schulter zu Wort meldete. Der sagte mir immer:

"Hör auf jetzt, der Wald ist dunkel, du hast genug gelaufen, du wirst dich verlaufen..." und meine Träumerin auf meiner linken Schulter sagte aber: "Kämpfe für deine Ziele, du wolltest es schaffen, dann schaffst du es auch". Völlig hin und hergerissen, nahm ich mir nun einen realen "Helfer" zur Hilfe und fragte beim Orgateam, wie viel Wald mich auf der nächsten Etappe erwarten würde. Dies wären noch 8 Kilometer gewesen, also 1 1/2 Stunden in Dunkelheit. Der Quatschkopf, der es nicht immer nur schlecht mit mir meint, wie ich inzwischen wusste, hatte an diesem Abend gesiegt und ich habe nach unglaublichen 66 Kilometern abgebrochen und auch wenn ich die 100 Kilometer nicht geschafft habe, bin ich sehr stolz überhaupt so weit gekommen zu sein und eins ist sicher: 

Ich werde nächstes Jahr auf jeden Fall wieder dabei sein und dann werde ich die 100 Kilometer schaffen, weil ich mich noch besser auf die Nacht vorbereiten werde. 

 Und bis dahin:

 

Buen Camino!

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Cheyenne Doolittle (Freitag, 13 September 2019 05:36)

    66 km sind eine Wahnsinns Leistung vor allem bei den hohen Temperaturen . Meinen Glückwunsch
    Mit der Dunkelheit hätte ich auch do meine Probleme